Wachstum durch Krise? Wir können lernen! Teil 3

Corona aus dem Blickwinkel der Positiven Psychologie –
3. Teil: Praktische Ansätze II

Hannover, Stand 26.03.2020

Nachdem die vorangegangenen fünf praktischen Ansätze auf das Tun ausgerichtet waren, möchte ich im Folgenden fünf Ansätze vorstellen, die sich auf eine fruchtbare Selbstreflexion beziehen. Ziel ist wie gehabt, mit Corona bestmöglich umzugehen und gestärkt aus der Krise hervorzutreten soweit das möglich ist. Auch hier gilt, dass nicht jeder Ansatz zu jeder Person oder Lebenslage passt. Die Anregungen sind als unterschiedliche Optionen zu betrachten, jeder entscheidet für sich, was gerade hilfreich und stimmig sein könnte.

1. Dankbarkeit
Bei vielen von uns stellt sie sich jetzt ganz automatisch ein: die Dankbarkeit für das was wir haben, was noch funktioniert, was noch möglich ist. In einer Situation, in der selbstverständlich Geglaubtes nicht länger selbstverständlich ist (Gesundheit, Bewegungsfreiheit, Kontakte, gewohnte Infrastruktur etc.) bekommen die Dinge wieder ihren Wert.

Die Positive Psychologie weist immer wieder darauf hin, dass das Empfinden von Dankbarkeit Bestandteil von Zufriedenheit und glücklichem Leben ist. Es macht also Sinn, sich zu vergegenwärtigen, wofür ich eigentlich dankbar bin. Das können ganz „alltägliche“ Dinge wie Klopapier, ein gutes, leckeres Essen oder meine gemütliche, warme Wohnung sein. Aber auch größere Themen wie gesicherte Infrastruktur, Frieden oder Demokratie können hier eine Rolle spielen.

Eine klassische Methode aus der Positiven Psychologie ist das Dankbarkeitstagebuch. Hier nehme ich mir alle paar Tage bewusst Zeit und notiere, wofür ich dankbar bin. Genauso kann ich mich aber auch über Messenger-Dienste mit meinen Freunden zu dieser Fragestellung austauschen oder innerhalb meiner Familie darüber sprechen. Das Empfinden von Dankbarkeit verändert meine Perspektive, verdeutlicht den Wert von Dingen und beeinflusst meine Stimmung positiv. Eine dankbare Haltung ist eine gute Grundlage für ein harmonisches Leben mit sinnvollen Prioritätensetzungen.

2. Was wirklich zählt
Die Coronakrise unterbricht unseren bisherigen Alltag. Damit schafft sie einen Zustand, der eine Neuausrichtung erfordert, ermöglicht, provoziert. Und das ist eine Chance! Rausgerissen aus dem Alltagstrott, der Autopilot funktioniert gerade nicht, darf ich mich fragen: Was ist mir eigentlich wirklich wichtig? Wie will ich eigentlich wirklich leben? Gibt es etwas, dass ich nach Corona anders machen möchte als bisher?

Eine wunderbare Methode ist das „my best self“. Hierfür nehme ich mir etwa eine halbe Stunde Zeit, schnappe mir Stift und Papier und skizziere: Wie könnte mein Leben in fünf Jahren aussehen wenn ich einfach mal annehme, ich hätte den Anstoß zur Neuorientierung in der Coronakrise optimal genutzt? Hier geht es ums Fantasieren, um das spielerische Entwickeln einer utopischen Version meines Lebens, also eben der bestmöglichen. Es geht einmal nicht um Realismus sondern ums Träumen. Was das soll? Diese unrealistische, verträumte Geschichte, die ich von meinem bestmöglichen Leben in fünf Jahren entwickle, verrät etwas darüber, was mir wirklich wichtig ist. Hier kann ich Hinweise darauf finden, wie ich wirklich leben möchte. Ich erhalte Inspiration. Das ist ein erster Schritt. Mit diesem Wissen kann ich bewusster in die gewünschte Richtung steuern.

Eine andere Möglichkeit ist, mich mit der Frage auseinander zu setzen, ob ich nach der Coronakrise etwas anders machen will als zuvor. Auch hierzu kann es sehr bereichernd sein, mit Freunden oder der Familie in die Diskussion einzusteigen. Vielleicht ist jetzt gerade ein guter Zeitpunkt, diese Fragestellung im Freundeskreis aufzuwerfen und sich gegenseitig zu beflügeln.

3. Auch die positiven Seiten sehen: Das Glas ist halb voll.
Die Positive Psychologie hat belegt, dass die Empfindung positiver Emotionen eine wichtige Voraussetzung für ein gelingendes, glückliches Leben darstellt. Wer gute Gefühle erlebt ist gesünder, kreativer, kontaktfreudiger, weniger gestresst und handlungsfähiger. Er kann mit den Ereignissen des Lebens konstruktiver umgehen und fühlt sich natürlich auch besser. Daher hat die Positive Psychologie viele Methoden entwickelt, um positiver Emotionen wie Freude, Zufriedenheit, Vergnügen aber auch Dankbarkeit, Inspiration, Liebe und andere zu fördern.

Eine sehr bekannte Übung ist der Positive Tagesrückblick, oft auch „three good things“ genannt. Hierfür reserviere ich mir eine Zeit lang täglich etwa zehn Minuten und notiere erstens: „Drei Dinge, die heute gut waren“ und im zweiten Schritt: „Was habe ich jeweils dazu beigetragen“. Die Sonne schien. Mein Beitrag: Ich habe mir in der Mittagspause Zeit genommen, sie auf einer Parkbank zu genießen. Im Bus wurde ich freundlich angelächelt. Mein Beitrag: Ich fuhr offenen Auges mit dem Bus, nahm meine Mitmenschen bewusst wahr und machte vermutlich einen netten Eindruck. Ich bekam Anerkennung von meinem Team auf der Arbeit. Mein Beitrag: Ich habe meine Fähigkeiten eingebracht und hatte bei Projekt XY eine hilfreiche Idee.

Ziel ist, die Perspektive zu ändern, die guten Dinge zu fokussieren und zu verstehen, dass mein eigener Beitrag entscheidend aber eben auch möglich ist. Schließlich neigen wir dazu, eher die schlechten Aspekte wahrzunehmen. Es geht darum, diesem Automatismus bewusst eine positive Sichtweise entgegenzusetzen. Mit der Zeit wird die Beantwortung der Fragen immer leichter und wir bemerken, dass die positive Sichtweise immer stärker Einzug in unser Denken hält. Die gute Nachricht der Positiven Psychologie ist: Zufriedenheit und Glück können wir trainieren. Wir können uns durch Übung andere Sichtweisen angewöhnen und davon profitieren. So können wir aktiv etwas für unsere Lebenszufriedenheit tun. Aus der Veränderung der Perspektive erwächst langfristig mehr Handlungsfähigkeit. Letztendlich geht es darum, das eigene Leben bewusst so zu gestalten, dass es mir entspricht, dass es mich glücklich macht, dass es mein Leben ist.

4. Negative/schwierige Gefühle annehmen
Nun könnten wir den falschen Eindruck gewinnen, in der Positiven Psychologie gehe es ausschließlich darum, sich den guten Gefühlen und schönen Dingen zuzuwenden, während die negativen Gefühle keinen Platz haben, stören und zu vermeiden sind. Dem ist absolut nicht so. Zu einem guten Leben gehören die negativen Gefühlen, die ich lieber „schwierige Gefühle“ nenne, ganz zentral dazu. Sie sind wichtige Hinweisgeber, dienen als Leitplanke und sind Teil von jedem Menschen. Wenn ich darüber schreibe, dass die Coronakrise neben all den Katastrophen, Gefahren und Ängsten auch Chancen bietet (das ist kein entweder-oder sondern ein sowohl-als-auch), spielen die schwierigen Gefühle eine ganz wichtige Rolle.

Die schwierigen Gefühle sind ganz natürlich in einer Krise wie dieser massenhaft vorhanden. Sie wegzudrängen, sie zu leugnen wäre kein sinnvoller Umgang. Diese Gefühle alarmieren uns, fordern uns auf, wachsam zu sein, ggfs. zu handeln. Sie sind also grundsätzlich wichtig und gut und haben eine Schutzfunktion. Der Impuls, sie nicht haben zu wollen, sie nicht fühlen zu wollen ist verständlich. Besser leben können wir mit ihnen jedoch, wenn wir sie ernst nehmen, als wichtige Information anerkennen und sie erst einmal zulassen.

Ziel wäre also die Gefühle 1. wahrzunehmen, also auch zu fühlen, 2. ihre Existenz zu akzeptieren, 3. ihre Sinnhaftigkeit zu verstehen und anzuerkennen und 4. besser mit ihnen klar zu kommen. Eine gute Maßnahme ist, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Was macht mir jetzt Angst, was lässt mich verzweifeln, worüber sorge ich mich stark … Schon das Aussprechen wirkt oft entlastend. Auch die Reaktion meines Gegenübers kann helfen. Eine andere Möglichkeit wäre das Niederschreiben.

Sind die Gefühle jedoch zu stark, schmerzhaft oder bedrohend z. B. aufgrund traumatischer Erlebnisse, hat das Verdrängen eine wichtige und berechtigte Funktion. Hier ist die Unterstützung durch Fachleute wie Therapeuten eine Option.

Grundsätzlich ist es entlastend, ein wenig Abstand zwischen sich selbst als Ganzem und dem konkreten schwierigen Gefühl zu bekommen. Es geht darum, sich klar zu machen, dass z. B. meine Angst eben „nur“ ein Gefühl ist, das mir etwas sagen möchte. Sie ist nicht mein komplettes Sein, obwohl es sich durchaus so anfühlen kann. Mit diesem Abstand kann ich auch lernen, mich liebevoll meinen schwierigen Gefühlen zuzuwenden, dabei sorgsam mit mir umzugehen und mich bei Zeiten auch wieder den leichten, schönen Seiten des Lebens zuzuwenden. Zum Beispiel bauen Achtsamkeit und Meditation langfristig die Fähigkeit aus, sein Inneres als Beobachter anzusehen ohne absorbiert zu werden. Die Fertigkeit wird geschult, den Fokus z. B. auf schwierige oder leichte Gefühle zu lenken. Ich muss nicht jedes Gefühl zu jeder Zeit nehmen sondern kann es ggfs. auch liebevoll verabschieden, also ein Stück weit steuern oder moderieren.

Zur besseren Bewältigung emotionaler Belastungen kennt die Positive Psychologie auch das Expressive Schreiben nach James Pennebaker. Hier werden die eigenen Gedanken zu einem bestimmten Thema ungefiltert und mit einer bestimmten Methodik aufgeschrieben, was zu einer emotionalen Entlastung und Klärung beiträgt. Das Expressive Schreiben in diesem Blog zu erklären würde den Rahmen sprengen. Die Methode ist jedoch recht bekannt, sodass es kein Problem ist, Informationen im Internet oder Buchladen zu erhalten. Bei Fragen stehe ich natürlich auch sehr gerne zur Verfügung! Schreib mir einfach.

Für viele Fälle lässt sich sagen: Durchlebte und durchgestandene Gefühle machen uns stärker während uns das Nichtzulassen, das Wegdrängen schwächt und Kapazitäten bindet.

5. Lernen
Die Coronakrise stellt für jeden einzelnen von uns definitiv ein großes Lernfeld dar. Das ist anstrengend, es verunsichert, vielleicht fühlen wir uns auch überfordert. Doch alles was wir hinzulernen erweitert unseren Handlungsspielraum und eröffnet uns mehr Möglichkeiten. Unter diesem Vorzeichen können sich schwere Herausforderungen anders anfühlen. Jede durchgestandene Krise macht uns stärker, an jeder gemeisterten Herausforderung wachsen wir. Spannend dazu ist das Konzept von Carol Dweck zum growth mindset. In ihrem Buch erläutert sie die gravierenden Vorteile eines Selbstbildes, dass sich als stetig lernendes, nie fertiges Wesen begreift (siehe Literaturempfehlungen).

Zur echten Chance wird die Coronakrise also, wenn ich mir die Frage stelle: Was möchte ich durch diese Situation lernen? Keine leicht zu beantwortende Frage, vielleicht muss sie einige Tage gären. Meine Antwort „überkam“ mich übrigens ganz spontan beim Aufwachen nachdem ich sie mir zwei Tage zuvor zum ersten Mal gestellt hatte. Bei mir ist es ein gesünderes Arbeitsverhalten, eine Neuordnung eines total veralteten Arbeitsethos, der immer wieder zu Problemen führt. Natürlich ist das Thema nicht gänzlich neu für mich und auch nicht gänzlich in den Tagen des Ausnahmezustands zu beheben. Trotzdem wird diese besondere Zeit einen wichtigen Beitrag zu dieser Aufgabe leisten. Ich will die Gelegenheit nutzen.

Wie bei allen hier aufgeführten Reflexionsfragen empfehle ich, sie durchaus auch in den Freundeskreis zu tragen und sie gemeinsam mit anderen Menschen zu ventilieren. Die Impulse der anderen können wertvolle Hinweise und Inspiration sein. Zudem tritt oft der schöne Nebeneffekt ein, dass sich damit die Beziehungen untereinander festigen und die Auseinandersetzung viele positive Gefühle erzeugt, z. B. Freude, Spaß, Interesse, Verständnis, Gemeinschaftsgefühl, Neugier…

Wie immer freue ich mich über Kommentare, Hinweise, Ergänzungen …
Schreibe mir gerne an glueckssaat@gmx.de.
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Weiterführende Literatur

Positive Emotionen
Fredrickson, Barbara (2011):
Die Macht der guten Gefühle. Wie eine positive Haltung ihr Leben dauerhaft verändert

Positive Psychologie und Glückstraining
Lyubomirsky, Sonja (2008):
Glücklich sein. Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben

Tomoff, Michael (2017):
Positive Psychologie. Erfolgsgarant oder Schönmalerei?

Growth mindset/wachstumorientiertes Selbstbild
Dweck, Carol (2017):
Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt

Wachstum durch Krise? Wir können lernen! Teil 2

Corona aus dem Blickwinkel der Positiven Psychologie – 2. Teil: Praktische Ansätze I

Hannover, Stand 24.03.2020

Was kann ich tun, um mich in der Coronakrise psychisch bestmöglich zu versorgen, um handlungsfähig zu bleiben und um gestärkt aus dieser Zeit hervor zu gehen? Die Positive Psychologie bietet praktische Ansatzpunkte. Da für jeden Menschen andere Zugänge hilfreich sind, sollen im Folgenden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt werden:

1. Helfen
Die Positive Psychologie betont die ausgesprochen gesundheitsfördernden Effekte von Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Wer anderen hilft und sich freundlich und zuvorkommend verhält, tut also nicht nur anderen sondern auch sich selbst Gutes. Die einfachste Möglichkeit: Älteren Nachbar*innen Hilfe anbieten, z. B. beim Einkauf oder Hund ausführen. Es gibt verschiedene lokale Hilfeplattformen, die sich in rasender Geschwindigkeit in den ersten Tagen der Coronakrise gebildet haben. Sie können über Telefon oder soziale Medien erreicht werden. Aktuell übersteigen die Hilfsangebote die Hilfsgesuche um ein Vielfaches. Möglicherweise können auch benachbarte soziale Einrichtungen oder andere Institutionen Hilfe gebrauchen. Sich umhören und nachfragen macht Sinn.

Apropos Sinn: Ein sehr gesundheitsfördernder Nebeneffekt von Helfen ist die automatische Herstellung von Sinn. Auch diese Erkenntnis ist eine wichtige Säule der Positiven Psychologie: Zu einem gelingenden, glücklichen Leben gehört die Erfahrung von Sinn als entscheidende Zutat.

2. Soziale Kontakte
Eine weitere zentrale Säule für erfülltes Leben sind positive Beziehungen, also Beziehungen, in denen sich Menschen gegenseitig wertschätzen und unterstützen. Wenn das physische Treffen anderer Menschen auf ein Minimum reduziert ist, wird es umso wichtiger, auf anderem Wege in Kontakt zu bleiben. Tägliche Telefonate mit Menschen, die einem gut tun, am besten sogar videogestützt, sind jetzt wichtig. Natürlich können alle anderen Kommunikationsformen ergänzen. Wie wäre es z. B. mal wieder mit einem Brief?

3. Achtsamkeit und Meditation
Die positiven Effekte von Achtsamkeit und Meditation für die psychische und physische Gesundheit sind seit Jahren wissenschaftlich belegt. Wer nun etwas Zeit erübrigen möchte, um Neues auszuprobieren oder wer jetzt gerne andere Prioritäten setzen will, findet z. B. kostenlose Einsteigerangebote von verschiedenen Meditations-Apps. Achtsamkeit und Meditation bauen unter anderem Stress ab, vermindern negative Grübelspiralen und verbessern die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation.

4. Sich Gutes tun
Viele gewohnte Freizeitaktivitäten sind aktuell nicht möglich. Das heißt jedoch nicht, dass ich mir jetzt nichts Gutes tun kann. Die „Zwangsentschleunigung“ und Unterbrechung meiner gewohnten Routinen lässt Raum für anderes. Das entstandene Vakuum birgt die Möglichkeit, wieder ganz neu in mich hinein zu hören: Wonach ist mir jetzt? Worauf habe ich Lust? Ein Bad nehmen, ein Buch lesen, ein Bild malen? Ruhe oder Gesellschaft? Aktivität oder Reflexion? Leckeres Essen kochen, gute Musik hören oder telefonieren?

Gehöre ich zu den Menschen, die durch die Coronakrise weniger arbeiten? Das ist auch ein Potential. Klar machen Unsicherheit und finanzielle Sorge Angst. Es geht jedoch darum, nicht in der Angststarre gefangen zu bleiben sondern nötige Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Denn die braucht es jetzt. Eine Basis von Handlungsfähigkeit ist, zwischendurch auch positive Momente zu erleben, Kraft zu schöpfen und zum Ausgleich den schweren Gefühlen Stück für Stück schöne Gefühle an die Seite zu stellen. Grübeln und Sorgen führen in die Abwärtsspirale. Jetzt heißt es, sich Gutes tun, wo immer das möglich ist. Das ist kein Luxus! Das ist existenzielle Grundlage! Der Leitsatz: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist kontraproduktiv geworden. Für viele war er das auch schon vor Corona. Wie wäre es mit einem neuen Leitsatz? Z. B. „Meine Gesundheit ist die Grundlage für meine Leistungsfähigkeit.“

Es geht also darum, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen, als wichtig anzuerkennen und zu erfüllen. Sich Gutes zu tun bedeutet neben schönen Aktivitäten auch regelmäßiger, ausreichender Schlaf, gesundes Essen, frische Luft und Bewegung.

5. Positive Nachrichten
Zuversicht fühlt sich in der Krise nicht nur besser an, sie erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, besser durch die Krise hindurch zu kommen. Die Resilienzforschung hat mehrfach belegt, dass Optimismus eine von mehreren wichtigen Facetten ist, um mit schweren Herausforderungen bestmöglich umzugehen.

Eine Möglichkeit um die Zuversicht zu stärken ist, Nachrichten bewusster zu konsumieren. Wer ausschließlich die Schreckensmeldungen liest, muss schnell mit einem verzerrten, negativen Eindruck kämpfen. Katastrophenmeldungen lassen sich besser verkaufen als Berichte vom Gelingen und vom unterstützenden Miteinander. Sie erschaffen aber eine selektive Wahrnehmung. In den letzten Tagen gibt es immer mehr positive Berichterstattungen. Nach meiner Einschätzung liegt das nicht nur daran, dass es zum Thema Corona auch viel Gutes zu berichten gibt. Vielleicht merken wir auch, dass die positiven Meldungen wichtig für den konstruktiven Umgang mit der Krise sind. Vielleicht können wir uns in dieser Krise eine rein negativ geprägte Bewertung der Situation einfach nicht mehr leisten.

Es gibt viele Berichte über solidarisches Miteinander, über zwischenmenschliche Unterstützung. Es gibt Debatten über die Chancen nach der Coronakrise, über den Anstoß zur positiven Veränderung, über Dinge, die wir aus dieser Situation lernen können. Wer sich mit diesen Themen beschäftigt wird schnell bemerken, dass sich Zuversicht einstellt. Auf diesem Boden wachsen neue Sichtweisen und neue Bewertungen. Daraus ergeben sich andere Empfindungen, es entsteht Kreativität und vor allem: Es wächst Handlungsspielraum.

Diese fünf Ansätze sind ein erster Aufschlag, um gesund und konstruktiv mit der Krise umzugehen. Weitere werden in den nächsten Tagen in diesem Blog folgen.

Ich freue mich über deine Kommentare, Meinungen, Ergänzungen etc. Schreib mir einfach an glueckssaat@gmx.de

Corona: Wachstum durch Krise? Wir können lernen!

Hier findest du den aktuellen Blog, der sich mit der Coronakrise aus Perspektive der Positiven Psychologie befasst.

Erster Teil: Allgemeine Überlegungen

Zweiter Teil: Praktische Ansätze I

Dritter Teil: Praktische Ansätze II

Ich freue mich über deine Kommentare, Ergänzungen, Ideen zu dem Thema! Schreib mir einfach an glueckssaat@gmx.de

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Wachstum durch Krise? Wir können lernen! Teil 1

Corona aus dem Blickwinkel der Positiven Psychologie– 1. Teil: Allgemeine Überlegungen

Hannover, Stand 21.03.2020

Seit dem Ausbruch der Coronakrise stelle ich mir die Frage, wie sich die aktuelle Situation aus Sicht der Positiven Psychologie betrachten ließe. Einige Antworten möchte ich hier vorschlagen, sowohl für den Einzelnen als auch aus gesellschaftlicher Perspektive:

1. Dankbarkeit
Wenn das Klopapier knapp wird, stelle ich fest, dass all die Dinge, die mir mein ganzes Leben lang selbstverständlich erscheinen, nicht selbstverständlich sind. Theoretisch weiß ich das ja. Nun wird es aber auch einmal ganz praktisch. Schließlich geht es nicht nur um Klopapier. Die Gesundheit meiner Familie, die Bewegungsfreiheit, die Möglichkeit, meinen Lebensunterhalt zu verdienen, persönliche Kontakte mit anderen, das Gefühl von Sicherheit… Neben der Verwunderung, dass das tatsächlich passiert und der Unsicherheit, was nun auf uns zukommt gibt es eben auch das Gefühl der Dankbarkeit. Dankbarkeit für all das, was funktioniert und was da ist: Unsere Gesundheit, unsere Wohnung, Wasser, Strom, Versorgung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern, Telefonate und Emails mit großartigen Menschen, die Hilfsbereitschaft untereinander… Für mich bekommen die Dinge vermehrt den Wert zurück, der ihnen zusteht.

2. Werte
Hieraus resultiert die Frage, was im Leben eigentlich wirklich wichtig ist – neben dem Thema Dankbarkeit ein weiterer wichtiger Aspekt der Positiven Psychologie. Der Alltag, wie ich ihn kannte, ist unterbrochen. Eine noch nicht dagewesene Situation verhindert meine Routinen. Das erfordert eine zumindest temporäre Neuausrichtung und stellt gleichzeitig eine wertvolle Chance dar. Was ist mir wirklich wichtig? Wie will ich wirklich leben? Was brauche ich wirklich? Worauf kann ich verzichten? Was trägt mich?

Das sind zentrale Fragen für jeden Einzelnen. Die Positive Psychologie weiß: Wer Antworten darauf findet, was ihm wirklich wichtig ist und wer sein Leben daran ausrichtet, hat gute Chancen, ein erfülltes Leben zu führen.

Und auch aus Sicht der gesamten Menschheit ist dieser Prozess eine unerwartete Chance. In diesen Tagen verzichten wir auf Vieles, weil wir daran glauben, dass dieser Verzicht jetzt wichtig, richtig und notwendig ist. Letztendlich geht es um das Überleben vieler Menschen. Keine Urlaubsreisen, eingeschränkter Konsum … Zwar ist dieser Zustand erst einmal zeitlich begrenzt, wir lernen jedoch, dass uns persönlich dieser Verzicht möglich ist, wenn es um das Überleben geht. Diese Erfahrung ist übertragbar und anwendbar auf das Menschheitsproblem Klimawandel. In einem viel größeren Ausmaß geht es hier um das Überleben von Menschen. Zu erkennen, was ich persönlich wirklich brauche und worauf ich zur Not verzichten kann, verschafft uns neue Perspektiven, Spielräume und Handlungsmöglichkeiten. Konsumkritische Szenarien, wie wir leben wollen, rücken näher.

3. Lernen und Wachstum
Die Unterbrechung des Bekannten bietet die Chance, Neues zu lernen, umzusteuern, den Trott zu verlassen und das Leben neu auszurichten. Auch nach Corona. Wachstum durch Krise ist hier das Stichwort und ein weiteres Thema der Positiven Psychologie. Hier geht es darum, aus Krisen zu lernen und gestärkt aus ihnen hervor zu gehen.

Für die Gesellschaft ist folgendes denkbar: Wir erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft in den Nachbarschaften und Quartieren. Die Hilfsangebote für Menschen die von Quarantäne betroffen sind oder zu Risikogruppen gehören (z. B. Einkäufe erledigen, Hund ausführen) übersteigen heute die Hilfegesuche um ein Vielfaches. Balkonkonzerte, kostenlose Veranstaltungen über die sozialen Medien, Anerkennung von Krankenhauspersonal und Einzelhandelsmitarbeiter*innen durch verabredetes Klatschen aus den Fenstern, Angebote kostenloser Yogasitzungen oder kreativer Beschäftigungsvorschläge für Kinder…; viele Menschen werden aktiv und helfen, wo sie können. Deutlich wird wie auch in anderen Krisen: Wenn es eng wird reagieren sehr viele Menschen mit dem Bedürfnis und der Bereitschaft zu helfen. Für die Gesellschaft ist dies eine ganz wertvolle Erfahrung: Wir können uns aufeinander verlassen, wir halten zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Neben Hamsterkäufen und Streit um die letzte Klopapierpackung ist diese Erzählung eben auch Teil der Realität. Und zwar der Teil, auf den wir uns stützen können, aus dem heraus Wachstum möglich wird. Zusammengefasst heißt das: Die Krise bringt viel Gutes hervor. Dies zu sehen, sich dem zu vergewissern bewirkt eine Stärkung der Gemeinschaft, der Gesellschaft.

Auch für jeden Einzelnen stellt die Unterstützung seiner Mitmenschen ein wertvolles Erfahrungsfeld dar. Die Positive Psychologie weiß, wie wichtig Hilfsbereitschaft für das eigene Wohlbefinden und die psychische Gesundheit ist. Viele erleben dies nun ganz praktisch.

Der Bereich Hilfsbereitschaft ist jedoch nur ein Beispiel, wie Wachstum durch die Krise angestoßen werden kann. Mich leitet weiter die Frage: Was kann ich durch diese Situation lernen? Wir wissen, dass das Lernpotential in Krisen und auch beim Verlassen der eigenen Komfortzone besonders hoch ist. Corona ist eine Katastrophe für die Menschen. Das soll hier nicht in Abrede gestellt werden. Wenn wir uns jedoch in dieser Krise befinden, wäre dann nicht ein konstruktiver Umgang am sinnvollsten? Ich persönlich will diese Chance nutzen, neben allen Ängsten, Verunsicherungen, Schwierigkeiten. Ich denke, das ist eine Antwort der Positiven Psychologie auf Corona: Die Situation sehen und annehmen, handlungsfähig bleiben, sinnvoll steuern und daran wachsen soweit es eben geht.

Ich freue mich über deine konstruktiven Meinungen, Kommentare, Ergänzungen, Ideen zu dem Thema! Schreib mir an glueckssaat@gmx.de

Tue dir was Gutes – Teil 11

Der Sommerurlaub geht zu Ende. Der Weg zurück in den Alltag fällt vielen schwer.

Wer jetzt im Regen tanzen kann, hat es leichter. Die Fähigkeit, die schönen Momente im Alltag zu erkennen und für sich zu nutzen, kann jeder erlernen. Nutze den nächsten Regenschauer für einen kleinen Tanz und bemerke, was geschieht. Mit anderen zusammen ist der Effekt noch größer.

Die Schätze des Alltags wahrzunehmen und die vorhandenen Ressourcen zu nutzen ist einer der Inhalte im 12-wöchigen Glücks- und Resilienztraining. Die Workshopreihe startet am 22.08.19 in Hannover. Thema des ersten Abends ist der Mini-Urlaub, der zum erfüllten Alltag dazu gehört.

Tue dir was Gutes – Teil 10

Du bist wirklich richtig gut so wie du bist! Und auch du musst dir von dir selbst nicht alles gefallen lassen. Schicke deinen inneren Kritiker heute einfach mal in die Wüste. Schau ihm in die Augen, wenn er doch noch auftaucht. Sag ihm, dass er spinnt. Halte ihm entgegen, dass du gut bist, wie du bist.

Sollte das noch keine ausreichende Wirkung zeigen, frage dich, was deine beste Freundin oder dein bester Freund zu den Aussagen deines inneren Kritikers wohl sagen würde.

Und was würdest du deiner besten Freundin oder deinem besten Freund sagen, wenn ihr innerer Kritiker so mit ihnen sprechen würde?

Dieser Perspektivwechsel kann ungemein erhellend sein. Tue dir was Gutes und probiere es einfach mal aus. Denn kluge Perspektivwechsel sind gesund und machen dich ein bisschen glücklicher.

Mehr zum Thema „Perspektivwechsel“ und „Sich selbst etwas Gutes tun“ erfährst du in meinen 12-Wochen-Glücks- und Resilienztrainings. Der nächste Kurs startet am 22.08.19 in Hannover.

Tue Dir was Gutes – Teil 9

Hast du gestern den Sonnenschein genossen? Die kleinen Dinge des Lebens zu genießen ist ja eigentlich ganz einfach. Doch vielen von uns fällt es entweder schwer, sich das bewusste Genießen zu erlauben oder sie vergessen es in der Hetze des Alltags. Dabei ist Genießen ein ganz zentraler Baustein für ein gutes, gelingendes Leben! Denn Genießen verursacht gute Gefühle. Und die sind immens wichtig für mehr Kreativität, Motivation und Energie, für ein besseres Immunsystem, den schnelleren Abbau von Stresshormonen und besseren Schlaf, für bessere Problemlösungskompetenzen, flexibles Denken, Lernfähigkeit und vieles mehr.

Also tue dir was Gutes und verordne dir heute mal viele kleine Portionen bewusstes Genießen. Das ist gesund und macht dich ein bisschen glücklicher.

Mehr über das Thema Positive Emotionen und die Aufwärtsspirale erfährst du auf meiner Website.