Wachstum durch Krise? Wir können lernen! Teil 2

Corona aus dem Blickwinkel der Positiven Psychologie – 2. Teil: Praktische Ansätze I

Hannover, Stand 24.03.2020

Was kann ich tun, um mich in der Coronakrise psychisch bestmöglich zu versorgen, um handlungsfähig zu bleiben und um gestärkt aus dieser Zeit hervor zu gehen? Die Positive Psychologie bietet praktische Ansatzpunkte. Da für jeden Menschen andere Zugänge hilfreich sind, sollen im Folgenden unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt werden:

1. Helfen
Die Positive Psychologie betont die ausgesprochen gesundheitsfördernden Effekte von Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Wer anderen hilft und sich freundlich und zuvorkommend verhält, tut also nicht nur anderen sondern auch sich selbst Gutes. Die einfachste Möglichkeit: Älteren Nachbar*innen Hilfe anbieten, z. B. beim Einkauf oder Hund ausführen. Es gibt verschiedene lokale Hilfeplattformen, die sich in rasender Geschwindigkeit in den ersten Tagen der Coronakrise gebildet haben. Sie können über Telefon oder soziale Medien erreicht werden. Aktuell übersteigen die Hilfsangebote die Hilfsgesuche um ein Vielfaches. Möglicherweise können auch benachbarte soziale Einrichtungen oder andere Institutionen Hilfe gebrauchen. Sich umhören und nachfragen macht Sinn.

Apropos Sinn: Ein sehr gesundheitsfördernder Nebeneffekt von Helfen ist die automatische Herstellung von Sinn. Auch diese Erkenntnis ist eine wichtige Säule der Positiven Psychologie: Zu einem gelingenden, glücklichen Leben gehört die Erfahrung von Sinn als entscheidende Zutat.

2. Soziale Kontakte
Eine weitere zentrale Säule für erfülltes Leben sind positive Beziehungen, also Beziehungen, in denen sich Menschen gegenseitig wertschätzen und unterstützen. Wenn das physische Treffen anderer Menschen auf ein Minimum reduziert ist, wird es umso wichtiger, auf anderem Wege in Kontakt zu bleiben. Tägliche Telefonate mit Menschen, die einem gut tun, am besten sogar videogestützt, sind jetzt wichtig. Natürlich können alle anderen Kommunikationsformen ergänzen. Wie wäre es z. B. mal wieder mit einem Brief?

3. Achtsamkeit und Meditation
Die positiven Effekte von Achtsamkeit und Meditation für die psychische und physische Gesundheit sind seit Jahren wissenschaftlich belegt. Wer nun etwas Zeit erübrigen möchte, um Neues auszuprobieren oder wer jetzt gerne andere Prioritäten setzen will, findet z. B. kostenlose Einsteigerangebote von verschiedenen Meditations-Apps. Achtsamkeit und Meditation bauen unter anderem Stress ab, vermindern negative Grübelspiralen und verbessern die Fähigkeit zur emotionalen Selbstregulation.

4. Sich Gutes tun
Viele gewohnte Freizeitaktivitäten sind aktuell nicht möglich. Das heißt jedoch nicht, dass ich mir jetzt nichts Gutes tun kann. Die „Zwangsentschleunigung“ und Unterbrechung meiner gewohnten Routinen lässt Raum für anderes. Das entstandene Vakuum birgt die Möglichkeit, wieder ganz neu in mich hinein zu hören: Wonach ist mir jetzt? Worauf habe ich Lust? Ein Bad nehmen, ein Buch lesen, ein Bild malen? Ruhe oder Gesellschaft? Aktivität oder Reflexion? Leckeres Essen kochen, gute Musik hören oder telefonieren?

Gehöre ich zu den Menschen, die durch die Coronakrise weniger arbeiten? Das ist auch ein Potential. Klar machen Unsicherheit und finanzielle Sorge Angst. Es geht jedoch darum, nicht in der Angststarre gefangen zu bleiben sondern nötige Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Denn die braucht es jetzt. Eine Basis von Handlungsfähigkeit ist, zwischendurch auch positive Momente zu erleben, Kraft zu schöpfen und zum Ausgleich den schweren Gefühlen Stück für Stück schöne Gefühle an die Seite zu stellen. Grübeln und Sorgen führen in die Abwärtsspirale. Jetzt heißt es, sich Gutes tun, wo immer das möglich ist. Das ist kein Luxus! Das ist existenzielle Grundlage! Der Leitsatz: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ ist kontraproduktiv geworden. Für viele war er das auch schon vor Corona. Wie wäre es mit einem neuen Leitsatz? Z. B. „Meine Gesundheit ist die Grundlage für meine Leistungsfähigkeit.“

Es geht also darum, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen, als wichtig anzuerkennen und zu erfüllen. Sich Gutes zu tun bedeutet neben schönen Aktivitäten auch regelmäßiger, ausreichender Schlaf, gesundes Essen, frische Luft und Bewegung.

5. Positive Nachrichten
Zuversicht fühlt sich in der Krise nicht nur besser an, sie erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, besser durch die Krise hindurch zu kommen. Die Resilienzforschung hat mehrfach belegt, dass Optimismus eine von mehreren wichtigen Facetten ist, um mit schweren Herausforderungen bestmöglich umzugehen.

Eine Möglichkeit um die Zuversicht zu stärken ist, Nachrichten bewusster zu konsumieren. Wer ausschließlich die Schreckensmeldungen liest, muss schnell mit einem verzerrten, negativen Eindruck kämpfen. Katastrophenmeldungen lassen sich besser verkaufen als Berichte vom Gelingen und vom unterstützenden Miteinander. Sie erschaffen aber eine selektive Wahrnehmung. In den letzten Tagen gibt es immer mehr positive Berichterstattungen. Nach meiner Einschätzung liegt das nicht nur daran, dass es zum Thema Corona auch viel Gutes zu berichten gibt. Vielleicht merken wir auch, dass die positiven Meldungen wichtig für den konstruktiven Umgang mit der Krise sind. Vielleicht können wir uns in dieser Krise eine rein negativ geprägte Bewertung der Situation einfach nicht mehr leisten.

Es gibt viele Berichte über solidarisches Miteinander, über zwischenmenschliche Unterstützung. Es gibt Debatten über die Chancen nach der Coronakrise, über den Anstoß zur positiven Veränderung, über Dinge, die wir aus dieser Situation lernen können. Wer sich mit diesen Themen beschäftigt wird schnell bemerken, dass sich Zuversicht einstellt. Auf diesem Boden wachsen neue Sichtweisen und neue Bewertungen. Daraus ergeben sich andere Empfindungen, es entsteht Kreativität und vor allem: Es wächst Handlungsspielraum.

Diese fünf Ansätze sind ein erster Aufschlag, um gesund und konstruktiv mit der Krise umzugehen. Weitere werden in den nächsten Tagen in diesem Blog folgen.

Ich freue mich über deine Kommentare, Meinungen, Ergänzungen etc. Schreib mir einfach an glueckssaat@gmx.de

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